Kirche Rüggeberg

N xx xx.xxx, E xx xx.xxx

Eigene Kirchengemeinde?

Da in den Bauernschaften Mühlinghausen, Willringhausen, Schweflinghausen. Herminghausen, und Severinghausen ab dem 17. JH nicht nur Landwirtschaft betrieben wurde, sondern auch kleine Schmieden für Eisen- und Stahlprodukte eingerichtet wurden, stieg hier die Einwohnerzahl stetig an. Es verwundert daher nicht, dass der Wunsch nach einer eigenen, nahe gelegenen Kirche aufkam und immer stärker wurde, je größer die Bauernschaften wurden. Eine Schule, einen Prediger und Lehrer hatten die Rüggeberger zwar, aber sie wollten mehr. Sie wollten eine richtige, selbständige Kirchengemeinde mit fest angestelltem Pfarrer und möglichst auch mit einer größeren Kirche. Im Jahr 1785 unternahm man wieder einen Vorstoß. Man, das waren die Bürger Johann Diedrich Dresel, Joh. Caspar Hesterberg, Joh. Michael Korte und Johann Peter Wirminghaus. Alle vier waren angesehene Bürger und Geschäftsleute, die sich nicht scheuten, für Ihre Bemühungen notfalls auch Geld in die Hand zu nehmen, also Anwälte zu engagieren.

Ihr Antrag wurde an die königlich, preußische Regierung in Kleve geschickt und in regelmäßigen Zeitabständen immer wieder an die Beantwortung erinnert. Behörden brauchen Zeit! – Oft viel zu viel für die auf eine Entscheidung Wartenden. Aber es tat sich was. Nach fünf Jahren, also 1790, meldete sich ein königlicher Kommissar als Besucher an, um die Situation vor Ort zu prüfen. Nachdem er festgestellt hatte, dass die Rüggeberger Christengemeinde groß genug war, die verschiedenen Gehöfte jedoch sehr weit auseinander lagen und der Weg zur Kirche nach Schwelm für viele unzumutbar war, schrieb er in sein Untersuchungs-Protokoll, dass er die Trennung für notwendig halte und die Regierung die Genehmigung für eine eigene Kirchengemeinde erteilen möge. Diese Genehmigung wurde am 10. August im Jahr 1798 erteilt und mit großer Freude aufgenommen. Nun durfte ein eigener Pfarrer angestellt werden. Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen, alles konnte am Ort im Kirch-Schulhaus vorgenommen werden.

Das Gemeindegebiet umfasste das Gebiet zwischen Heilenbecke und Ennepe, im Nordwesten bis Homberge und in Südosten über Rutenbecke, Schweflinghausen, Herminghausen und Erloh bis Burg an der Ennepe. Damit war zunächst das ersehnte Ziel erreicht.

Dreizehn Eingesessene beider Bauernschaften vereinbarten in Anwesenheit des Pfarrers Dahlenkamp und des Breckerfelder Bürgermeisters Johann Caspar Goebel am 29.3.1799, also ca. ½ Jahr nach der Genehmigung ein Statut für die neue, junge Gemeinde. Bei der Pfarrerwahl hatten nach diesem Statut nur die Gutseigentümer Stimmrecht. Man wählte das erste Konsistorium (Presbyterium) und als ersten Pfarrer den Prediger: Johann Christoph Wilhelm Brinkdöpke aus Haspe. Er wurde am 22. Mai 1799 feierlich in sein Amt eingeführt. Da es noch kein Pfarrhaus gab, musste er auf Gut Rutenbecke zur Miete wohnen. Das Kirchschulhaus wurde kurz danach umgebaut. Neue Glocken mussten her, der Altar wurde umgebaut und ein neuer Dachreiter für zwei neue Glocken errichtet. Da man dem Pfarrer den Weg zur Kirche und den Einwohnern von Rüggeberg den Weg zum Pfarrer verkürzen wollte, bemühte man sich bald um den Bau eines Pfarrhauses. In den Jahren 1809 bis 1812 wurde an der jetzigen Herminghauser Straße 2 unter Mithilfe vieler Bürger und Bauern in Form von Hand- und Spanndiensten das erste Pfarrhaus gebaut, welches bis ca. 1964 als solches den jeweiligen Rüggeberger Pfarrern als Wohnung für sie selbst und ihre Familien diente. Pfarrer Brinkdöpke wechselte nach 16 Jahren Dienstzeit nach Herford. Ihm folgten die Pfarrer Westhoff und Hülsmann, welche jedoch beide nur kurze Zeit in Rüggeberg blieben. Ihnen folgte im Jahr 1819 Pfarrer Brockhaus welcher nach 6-jähriger Amtszeit im Jahr 1825 von Pfarrer Carl Droste abgelöst wurde. Die Gemeinde wuchs stetig und der Raum im Kirchschulhaus an der Hesterberger Straße wurde eng und immer enger. Eine größere Kirche, das wäre die Lösung! Ein Grundstück dafür war der Gemeinde vom Landwirt Johann Eberhard Jellinghaus im Jahr 1824 geschenkt worden! Man traute sich und war sich sicher, dass mit Gottes Hilfe eine neue, größere Kirche mitten im Dorf entstehen werde. Im Jahr 1825, am 26. Mai wurde unter großer Anteilnahme und dem Geläut der Glocken des Kirchschulhauses der Grundstein gelegt. Die Rüggeberger Gemeinde bestand damals aus 85 erbeingesessenen Familien, welche für die Finanzierung des Neubaus 3090 Taler, bergisch Courant sowie Hand- und Spanndienste in gleichem Wert verbindlich zugesagt und auch gezahlt, bzw. geleistet hat. Das was an Kosten darüber hinaus entstand, wurde je nach finanziellem Leistungsvermögen auf die Gemeindeglieder umgelegt. Die Glocken und die Orgel wurden aus dem Kirchschulhaus übernommen, nicht jedoch der Altar, die Kanzel und das Gestühl. Da das neue Kirchengebäude keinen Kirchturm hatte, wurden die Glocken in einem stabilen Dachreiter aufgehängt. Die feierliche Weihe der neuen Kirche zu Rüggeberg fand am 22. April des Jahres 1827 im Beisein des Superintendenten Müller aus Hagen sowie mehrerer Pastoren aus den benachbarten Gemeinden statt.

Zum Anfang des Einweihungs-Gottesdienstes erschallte mächtig und inbrünstig gesungen das Lied nach der bekannten Melodie: Wachet auf, ruft uns die Stimme,

Gott, zu Dir hinauf erschalle aus dieses Tempels neue Halle nun unser erster Lobgesang und Pfarrer Carl Droste hielt die erste Predigt in der neuen Kirche über den Vers 10 im Psalm 48: "Gott, wir gedenken deiner Güte in deinem Tempel."

Eine Schilderung darüber, wie sich die Kirchengemeinde Rüggeberg danach weiter entwickelte und welche Pfarrer hier ihre verantwortungsvollen und segensreichen Dienste taten, wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. Bis dahin wissen wir, dass der über der Eingangstür in Stein gemeißelte Spruch:

Des Herrn Wort bleibet in Ewigkeit

für alle Zeit Bestand hat.

(Quellenverzeichnis: Wikipedia, Wilfried G Vogt, Hermann Hirschberg, P. Holthaus, W. Balke)

Innenaufnahmen der Kirche folgen bald






nächstes Heimatdenkmal: Glocke neben der Kirche

N 51 16.028, E 7 23.055

Impressum

Infopflicht DSGVO 2018